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10.11.2015

Neues Viertel in drei Schritten

Von Wolfgang Wenzel, Wiesbadener Kurier 12.11.2015

WIESBADEN. Premiere hatten nun die Pläne für das künftige Linde-Wohnviertel am Floßhafen. Dem Bau- und Planungsausschuss stellte Architekt Hans-Peter Gresser das Projekt auf dem Terrain des alten Kältetechnikwerks vor. Dort sollen 750 bis 800 Wohnungen entstehen, 150 davon öffentlich gefördert. Auch diese werde die Wohnungsbaufirma Bücher aus Idstein errichten, sagte Gresser.

Das künftige Wohnviertel solle in drei Stufen in Abständen von fünf bis sechs Jahren entwickelt werden, von Ost nach West. Dafür würden die alten Werkshallen „auf einen Schlag“ abgetragen, das Grundstück sicherheitshalber bis auf die Höhe der 200-jährigen Hochwasserlinie aufgeschüttet und die Böschung für einen Promenadenweg abgegraben. Damit entstehe Retentionsraum.

Das Viertel werde der Anfang eines neuen Bandes von Kostheim nach Kastel sein, mit einer eigenen Identität. Es werde in die Umgebung ausstrahlen. „Positiv Neues“ werde auch auf „Gerümpelflächen“ im Umfeld von Sägewerk und Polizeirevier auf der nördlichen Seite der Kostheimer Landstraße entstehen. Darüber könne er noch nicht reden, sagte der Architekt.

Die Ausschussmitglieder nahmen Gressers Präsentation zur Kenntnis und äußerten sich löblich. Er sei dankbar und froh, so etwas im Ausschuss präsentiert zu bekommen, sagte der Vorsitzende Hans-Martin Kessler (CDU). Stadträtin Sigrid Möricke ((SPD) betonte den exklusiven Charakter der Darstellung für den Ausschuss. Sobald die Pläne verwaltungsintern abgestimmt seien, werde das Projekt in Kostheim öffentlich vorgestellt. Die Frage nach einem Baubeginn wurde nicht gestellt, dafür aber das Herzblut gelobt, mit dem Architekt Gresser seine Pläne verfasst habe. Seine Struktur erhalte das Viertel durch mehrere Wohnstraßen zum Floßhafen. Sie führten zu Quartiersplätzen, wobei man sich vorstellen solle, dass jeder Platz wie ein Dorf angelegt sei, was ein Miteinander und nicht ein nebeneinander ermögliche, sagte der Architekt. „Hausbaum“ des neuen Linde-Viertels solle die Esche sein. Vorgesehen seien zwei Kindertagesstätten und ein Haus für Arztpraxen. Der Promenadenweg werde als ein „grünes Band“ angelegt und mit Stellen für Spiel- und Trimmgeräten ausgestattet.

Zahlreiche Stellplätze

Fragen der Ausschussmitglieder bezogen sich auf eine nach CDU-Meinung ungewöhnlich hohe Zahl von Parkplätzen, auf die Sozialwohnungen und auf die Option für eine Brücke, die den Floßhafen überspannen soll. Eine Brücke auf die Maaraue wäre doch ein tolles Argument für die Vermarktung des Viertels, sagte Vera Gretz-Roth (SPD). Geld sei dafür aber keines vorgesehen, eine Brücke sei insofern berücksichtigt, als eine der Straßen in Höhe und Profil genau darauf ausgerichtet sei.

Es brauche ja kein „Monsterbauwerk“ zu werden, er werde noch „bohren“, sagte der Architekt. Ähnliches gelte für die Forderung der SPD, in jedem der drei Bauabschnitte die Sozialwohnungen gleich mitzubauen. „Wir brauchen öffentlich geförderte Wohnungen“, sagte SPD-Vertreterin Gretz-Roth. Es sei alles im Fluss, erwiderte der Architekt.

In dem neuen Viertel sollen zum überwiegenden Teil in Tiefgaragen mehr als 1000 private und 204 öffentliche Parkplätze entstehen, mithin 25 Prozent mehr, als das Soll der Stellplatzsatzung vorschreibe. Wo denn die Rechtsgrundlage dafür sei, wollte Hans-Joachim Hasemann-Trutzel (CDU) wissen. Die Vorgaben gründeten sich auf Erfahrungswerte der Verwaltung, sagte Uwe Conrad vom Stadtplanungsdezernat.

Es werde Arztpraxen und Gastronomie geben, die Stadt wolle keine Beschwerden hören, dass alle Nachbarstraßen wieder zugeparkt seien. Unabhängig davon sehe die Bauträgerfirma mehr Parkplätze vor als sie müsse. Als eine freiwillige Leistung, wie Architekt Gresser sagte. Die Stellplatzsatzung sehe einen Parkplatz pro Wohnung vor, die Firma Bücher plane mit 1,8.

Vertreter der Grünen bemängelten die großzügige Ausstattung. Das Ideal wäre doch ein autofreies Wohngebiet mit Parkplätzen außerhalb, wo doch das Linde-Viertel so hervorragend an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden sei, sagte Claus-Peter Große (Grüne). Er sei nur Realist, erwiderte der Architekt.

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