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18.10.2015

Vortrag von Hans-Peter-Gresser am 18.10.2015 im Kurhaus

Schlichtheit als Markenzeichen - Peter Gresser spricht über die Bauten Wiesbadens der Nachkriegszeit

Architekt Herbert Rimpl verewigte sich beim Bau des BKA an der Thaerstraße mit der „Rimpl-Welle“ am Dach.
Archivfoto: BKA



Von Manfred Gerber, Wiesbadener Kurier 20.10.2015

WIESBADEN - Bei seinem unterhaltsamen Parforceritt durch die Geschichte des modernen Bauens in Wiesbaden forderte der Architekt Peter Gresser die volle Aufmerksamkeit seines Publikums im vollbesetzten Carl-Schuricht-Salon des Kurhauses. Dabei verstand er es kenntnisreich, Grundzüge der „Wiesbadener Nachkriegsarchitektur“ zu präsentieren, Zusammenhänge zu erläutern und Querverbindungen herzustellen. Öffentliche Gebäude, aber auch Mietwohnungs-, Geschäfts- und Villenbauten standen im Fokus.
Die Zerstörung des Quellenviertels durch einen Fliegerangriff im Zweiten Weltkrieg wertete Gresser als Chance, dort, wo einst enge Gassen waren, Neues von der Wilhelmstraße über die Burgstraße bis zur Langgasse zu schaffen, mit einer „Reihenfolge von fließenden Räumen“. Neue, klare Formen habe Architekt Rudolf Dörr mit seinem Appartementhaus Vier Jahreszeiten (1954/64) und anderen Gebäuden geschaffen. Gresser, zügig Bild auf Bild an die Leinwand werfend, gerät ins Schwärmen.

Organische Straßenführung

Neues Bauen hätten die Amerikaner in Wiesbaden eingeführt. Crestview Village (1950) und die Siedlung Hainerberg (1954) mit ihren organischen Straßenführungen sind frühe Beispiele. Den BKA-Bau (1953) des Architekten Herbert Rimpl (1902 - 1978) mit seinen geschwungenen Dächern pries Gresser als gelungenes Werk genauso wie das Gebäude der Berlinischen Leben (1956) am Dernschen Gelände, auch dieser Bau mit einer „Rimpl-Welle“ versehen.
„Expressiv-dynamisch“: Rimpls Heilig-Geist-Kirche in der Drususstraße, bei der das Motiv einfacher Parabeln ein geschlossenes Formensystem bildet. An Einfachheit kaum zu überbieten: Rainer Schells Thomaskirche (1964) aus den Materialien Beton, Holz, Ziegel und Glas. Einfach und schlicht auch das Finanzamt in der Friedrich-Ebert-Allee. Funktional das Statistische Bundesamt (1956) von Paul Schaeffer-Heyrothsberge (1891 - 1962). Starke Kontraste zum Historismus.

Trabatenstadt Klarenthal

Das benachbarte hessische Innenministerium, ein „Alleinkörper“ ist neben der 2001 abgerissenen Hochbrücke am Michelsberg der einzige Bau, der nach den Plänen des Frankfurter Stadtplaners Ernst May (1886 - 1970) verwirklicht wurde. Wäre es nach May und seinem „Neuen Wiesbaden“ (1963) gegangen, wären sämtliche Villen in der City-Ost abgerissen und durch Geschossbau ersetzt worden. Aber zum Glück, so Peter Gresser, drehte sich der Wind, als es den Wiesbadener Jusos mit Jörg Jordan und Achim Exner gelang, eine neue Mehrheit gegen die May-Pläne zu organisieren. Nach ihnen hätte im Bergkirchenviertel nur noch die Bergkirche stehen bleiben sollen. Viele Großsiedlungen hat Ernst May für Wiesbaden geplant, die meisten sind nicht verwirklicht worden. Andere schon, wie die in Klarenthal. Als Gresser auch noch von der „wunderbaren Silhouette“ dieser Trabantenstadt schwärmt, gibt es doch ein bisschen Gegrummel unter den Zuhörern. Am Ende freundlichen Beifall, auch für den Leiter der Stabsstelle Kulturerbe, Thomas Weichel, der die Vortragsreihe organisiert.

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