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HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992 HAUS 04 - 1992
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„Architekt, bau uns ein Haus, das dem Herzen gleicht und den Blick nach innen Richte“
(AHMED SEFROUI)

In der alten Königsstadt Fes in Marokko findet man heute noch Häuser, deren Ursprünge mehrere tausend Jahre zurückliegen. Diese städtischen Wohnhäuser zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nach innen um einen Patio ausrichten. Er wird von umlaufenden Galerien, die manchmal auch einen Garten umfassen, gesäumt. Das Haus ist zwei- oder dreigeschossig ausgelegt, und das Leben orientiert sich um diesen Innenhof herum und schirmt sich somit von der Außenwelt ab. Dieser Bautypus zeichnet sich in verdichteten städtischen Räumen durch seinen hohen Privatheits- und Intimitätsgrad aus. Darin liegen seine Lebens- und hohen Wohnqualitäten und davon haben wir uns bei dem Entwurf dieses Hauses leiten lassen.

Wiesbaden ist in seiner Struktur und Ausprägung ein Geschöpf des 19. Jahrhunderts. Seine große Epoche war zur Wilhelminischen Zeit, Lieblings-Kurort der preußischen Könige und Kaiser. Aus dieser Zeit stammen auch die zahlreichen Villen in parkartigen Gärten und die städtebauliche Struktur. Es ist eine Stadt, die mehr von gutem Wohlleben und Traditionen geprägt ist denn von Avant-Garde und Intellekt. Insofern weicht dieses Haus in seinem Erscheinungsbild erheblich von “Wiesbadener Architektur-Vorstellungen” ab. Es ist eben nicht “tried and true”.

Der Grundriss des Hauses basiert auf einem Quadrat von 13,40 x 13,40 m Seitenlänge und zieht sich hin über zwei Etagen - zuzüglich eines zusätzlichen, in Teilbereichen zurückgestaffelten dritten Geschosses.  Eine Orgel erstreckt sich mit ihren Pfeifen der Höhe nach in den Lichthof hinein. Das zurückgesetzte Dachgeschoß beherbergt eine Terrasse mit wunderbaren Ausblicken, bis Mainz und Darmstadt hin. Das äußere Erscheinungsbild wird von dem weiß geputzten Würfel geprägt; die äußere Verkleidung des Dachhauses besteht aus Bleiblechen und verklammert an ausgezeichneten Stellen Dach und Obergeschoß miteinander. Das Wesen dieses Hauses ist sicherlich sein “Nichts”, der miteinander verbindende Luftraum des Patio; der verbindende Raum mit seinen vielfältigen Durchblicken ist das beherrschende Element und nicht die Form, so wie Laotse sagt, das Wesen eines Gefäßes ist nicht seine Form sondern seine Leere.


Wiesbaden, im August 1994
Hans-Peter Gresser