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SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994 SPARKASSE GÖRLITZ - 1994
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Sanierung und Erweiterung der Sparkasse Görlitz - Hauptgeschäftsstelle in der Berliner Strasse - 1994

Die Aufgabe:
Es sollte zu Beginn des Januar 1991 sollte durch die im Mai folgende Umstellung auf Computer die Halle neu gestrichen werden. Was ist daraus geworden?
Eine gründliche Sanierung des bestehenden Gebäudes mit modernster Technologie und ein Neubau im rückwärtigen Teil.

Die Entwurfsziele:
Den geschundenen Altbau durch die Sanierung nicht noch mehr Gewalt anzutun, sondern im Sinne einer Architektur-Archäologie Schicht um Schicht freizulegen und sanft zu revitalisieren.

Das Gebäude - Bei der Analyse eine spannende Entdeckung:
Es handelt sich wohl um eine der ersten Eisenbetonskelettbauten in dieser Region, - also für damalige Verhältnisse eine zukunftsweisende Architektur- und Ingenieurleistung. So modern, dass der damalige Bauherr wahrscheinlich dafür eine Fassade traditioneller Art beanspruchte, - solide, - schwer, bürgerlich - einer Sparkasse angemessen. Dieser Widerspruch macht für uns heute den Reiz aus.

Deshalb wollten wir die damaligen Konstruktionsprinzipien , d. h. das Auflösen des Bauwerks in Stützen, Haupt- und Nebenunterzüge, das Reduzieren des Materials auf immer kleinere Profile und Kassettierungen - das Minimalprinzip - nicht wieder verschwinden lassen, sondern dieses als Gestaltprinzip wieder verdeutlichen.
Das zweite Prinzip war, dass wir alles, was wir dazutun mussten, aus unserer Zeit dazugetan haben und zwar so, daß wir in einer Art von Installation die Dinge wie in ein Gehäuse gestellt haben.

Nirgendwo wird das Alte mit dem Neuen verkleistert, nirgendwo wird dem Neuen die Tarnkappe des Alten aufgezogen, und die Protagonisten, bei denen das Alte wie neu und das Neue wie alt aussieht, werden durch uns enttäuscht. Architektur entsteht nur im Dialog zwischen Bauherr und Architekt, und ich danke der Bauherrschaft dafür, dass sie die gewordene Gestalt mit Mut mitgetragen hat. Der Mut hat eine Schwester, die alles bedingt und werden lässt und die mehr dann je nötig ist - die Freiheit. Die Freiheit verbunden mit Verantwortung - sie sind die Träger dieses Bauwerks, dieses Bauwerks, das seit 60 Jahren das erste öffentliche Gebäude sein wird, das unter demokratischer Verantwortung entworfen und gebaut worden ist.

Die Idee war es, in diese rückwärtige Situation hinein ein Gebäude zu entwerfen, das Assoziationen zuließ von einem “grünen Hügel oder hängenden Gärten” dies sollte Ausdruck geben dafür, eine Verantwortung zu tragen für all die Menschen, die als Nachbarn diese Baumasse in ihrem nächsten Umfeld ertragen müssen, die als Mitarbeiter einen grünen, gestalteten Vordergrund vorfinden sollen. Der gesamte rückwärtige Gebäudekomplex wird sich in eine grüne und farbige Gartenlandschaft verwandeln und mit den Sonnensegeln eine gelassene, heitere und frohe Atmosphäre ausstrahlen.
Die Sparkasse könnte ein Beispiel sein für rückwärtige innerstädtische Blockbebauungen und Hinterhofsituationen, die durch entsprechende Begrünungen erträglich und möglich werden. Wenn neue Aufgaben in ältere Zusammenhänge einzufügen sind, ergeben sich Spielräume - wie nutzen wir sie?
Zweifelhaft wäre es wohl, wenn wir einfach bestehende Formen aus der Umgebung übernehmen würden. Sicher, der notwendige Eingriff würde damit vielleicht verwischt, wie mit einem schmerzstillenden Mittel. Man könnte auch anders vorgehen. Nicht anpassen und nicht konfrontieren, sondern im Suchen nach der Gestalt sich gegenseitig ergänzen.

Im Sinne einer lebendigen Geschichte haben wir versucht, in das bestehende Ensemble ein Muster unserer Zeit einzuweben, um uns nicht dem Vorwurf auszusetzen, dass alles wieder so wird, wie es niemals war. In der äußeren Gestalt finden sich - sicherlich nicht ungewollt – Erinnerungen an die 30erJahre, an das Bauhaus, als Anknüpfungspunkt an den Historismus und das bestehende Gebäude wieder; der Ball wird sozusagen aufgenommen und weitergespielt in unsere Tage hinein.
Dass wir uns nicht stromlinienförmig angepasst haben, um allerseits Beifall und Gunst zu erheischen, hat sicherlich auch damit zu tun, dass Architektur und Räume auch nachdenklich machen sollen, zum Weiterdenken anregen können. Räume, an denen die Gewohnheiten stolpern und anecken. Der Architekt baut für die Menschen, erst bauen Menschen Häuser und dann bauen die Häuser die Menschen. Vielleicht ist es uns gelungen, einen kleinen Beitrag aus unserer Zeit zur Baukultur dieser an Architektur so reichen Stadt zu leisten.

Görlitz, 16.12.1993