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Wohnen am Flosshafen

Städte, die über Industriebrachen nah am Wasser verfügen, können sich heute glücklich schätzen. Solche Areale, auf denen einst produziert wurde, verwaiste Güterbahnhöfe oder verlassende Militärgelände stellen für die richtigen Architekten und Planer oft eine erstklassige Voraussetzung für gelungene Neuerschließungen dar. Diese Gelegenheit bietet sich jetzt auf dem Grund des früheren Linde-Areals in Mainz-Kostheim.

Gemeinden, die solche zuweilen trost- und zwecklose Hinterlassenschaften im Portfolio haben, stehen eigentlich auf der Gewinnerseite. Wenn sie es denn verstehen, mit diesen Flächen richtig umzugehen. Eine solche Chance bietet sich nun mit dem einstigen Gelände der Firma Linde, deren aufgegebener Industriestandort im südöstlichen Stadtteil Mainz-Kostheim nun als Fläche zur städtebaulichen Neuentwicklung ausgewiesen wurde. Das Areal liegt ideal angebunden und eingerahmt von heterogener Bebauung und Naturraum. Einerseits zwischen Eisenbahn, Gewerbe und altem Ortskern gelegen, öffnet es sich über den Floßhafen reizvoll zum Park und den Kleingärten der Maaraue hin.

Das nördliche Rückgrat der Bebauung zu Straße und Bahn bildet eine nahezu geschlossene Barriere als Pufferzone, die sich nach Süden hin öffnet und im Norden einen passiven Schallschutz erhält. Als oberstes Gestaltungsprinzip wird im neuen Lindenareal eine Einheit in der Vielfalt gesucht. Die Grundkonzeption des Wiesbadener Architekturbüros von Hans-Peter Gresser orientiert sich an den sozialreformerischen Ideen des britischen Stadtplaners Ebenezer Howard, der um 1900 mit seinen Ideen für Gartenstädte eine ideale Vermittlung zwischen Stadtraum und Parklandschaft am Wasser suchte. So ist auch in Mainz-Kostheim eine radial-konzentrische Anlage mit unterschiedlich ausgebildeten Plätzen geplant: kein Gegenüber, sondern ein Miteinander. Die Gebäude werden konsequent nach Süd-West ausgerichtet, halten Blickkontakt zur Maaraue und von den Obergeschossen wird die Aussicht bis Mainz reichen.

„Kein Gegenüber, sondern ein Miteinander. Die Gebäude werden konsequent nach Süd-West ausgerichtet, halten Blickkontakt zur Maaraue und von den Obergeschossen wird die Aussicht bis Mainz reichen.“

Zwischen den überschaubar auf dem Gelände und um die halböffentlich angelegten Plätze verteilten Hausgruppen ist eine gute Durchlüftung bedacht, sie bilden keine Riegel und die üblichen Winde in Ost-West-Richtung sorgen für bekömmliches Klima. Sechs Gruppen sind geplant, die sich um einen individuell angelegten Platz anordnen. Damit entsteht eine intuitive Nachbarschaft, da sich vier bis fünf Hausgruppen in lockerer Weise um diese Mitte versammeln. Die verschiedenartige Ausbildung der Plätze sorgt für Wiedererkennbarkeit und stiftet die nötige Identifikation der künftigen Bewohner damit. Die gesamte Anlage wird so in kleinteilige ›Villages‹ mit konzentrisch angeordneten Platzgefügen aufgelöst. In der Mitte der künftigen Wohnanlage entsteht ein Kindergarten als mitmenschliches Zentrum. Ebenerdig im nächststehenden Gebäude werden ein Cafébistro und darüber Räume für Praxen und Dienstleistungen geplant. Dieses Gebäude erhält eine eigenständige Gestalt, um schon in der Architektur zum Herz des künftigen Ensembles zu werden. Im westlichen Teil des Grundstücks entsteht bei Bedarf eine zweite Kindertagesstätte. Parallel zum Floßhafen ist eine Promenade geplant, die später einmal durchgehend von Gustavsburg bis in den Rheingau führen soll.

In der Planung für das Gesamtgelände des Lindeareals sind auf den circa 10 Hektar Fläche rund 800 Wohneinheiten vorgesehen, davon werden etwa 167 Wohnungen im geförderten Wohnungsbau errichtet. Nach derzeitigem Stand des Bebauungsplanverfahrens ist im Frühjahr 2019 mit dem Satzungsbeschluss zu rechnen. Das Bauleitplanverfahren wurde mit dem Bauherren und Grundstückseigentümer Dietmar Bücher aus Idstein und Feder führend mit dem Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Wiesbaden entwickelt. Zurzeit werden die Hallen abgebrochen, so dass dann unmittelbar mit der Bebauung begonnen werden kann.

Bildrechte: © Alexandra Repp